Entstanden
mit dem Kalksteinabbau
Der
Winterberg bei Bad Grund und die Ibergsiedlung
Steinbruch
Winterberg um 1970 mit einer der vielen und großen beim Abbau angeschnittenen
Tropfsteinhöhlen.
 Zum
Kriegführen braucht man Eisen. Und wenn von Kriegswegen der Handel
mit dem Ausland unterbrochen wird, muß das Eisen im eigenen Land
gefunden werden. Bad Grund ist ja ein alter Standort des Eisensteinsbergbaus,
gewonnen wurde das Eisen in kleinen, nesterweise auftretenden Lagerstätten
im Kalkstock des Iberges. Doch der Abbau wurde schon 1886 wegen mangelnder
Rentabilität eingestellt.
Hier
aber, im Jahre 1938 geht es nur indirekt um Eisen. In Salzgitter wurde
ein Zentrum deutscher Eisenindustrie aus dem Boden gestampft. Die dort
bergmännisch geförderten Eisenerze waren aufgrund ihrer geologischen
Entstehung, wie der Hüttenmann oder Stahlkocher es nennt, sauer, sie
enthielten viel Kieselsäure und bedurften zum Schmelzen in der Hütte
eines basischen Zuschlagstoffes, am besten reinen Kalk. Solch reiner Kalk
mit Werten um 99 % CaCO³ und in räumlicher Nähe fand sich
auf fiskalischem Gelände im mittel- bis ober-devonischen Kalksteinmassiv
des Iberges und Winterberges bei Bad Grund. Der Iberg diente – wie auch
heute noch - der Wasserversorgung und dem Bad Grundner Fremdenverkehr.
Im benachbarten Winterberg wurde daher die obertägige Abbaustätte
erschlossen; heute ist es der größte Steinbruch Niedersachsens.
Betreiberin waren die neu gegründeten Reichswerke AG für Erzbergbau
und Eisenhütten „Hermann Göring“, Salzgitter. Für die Rohstoffwirtschaft,
Rüstungsindustrie sowie den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen
sollten die Reichswerke in den folgenden Kriegsjahren noch erhebliche Bedeutung
erlangen, in Deutschland und in fast allen von der Wehrmacht besetzten
Teilen Europas.
Während
heute die Belegschaft auf dem Winterberg durch technischen Fortschritt
und Rationalisierung auf ein kleines Häuflein geschrumpft ist, wurden
1938 zunächst 300 Arbeiterstellen eingeplant. Aber wo sollten sie
wohnen? Damals war es üblich, daß der Arbeiter seine Arbeitsstätte
noch zu Fuß aufsuchte. Solches Gelände fand sich im April 1938
auf der Wiese unter dem Iberger Kaffeehaus. Es sollten bescheidene Fachwerkhäuser
im bekannten Stile der Bergmannssiedlungen werden.
Die
für den Steinbruchbetrieb dringend benötigten Fachkräfte
wurden aus Südtirol angeworben. Viele sind auf Dauer geblieben und
heute integrierter Bestandteil der Einwohnerschaft Bad Grunds.
Der
Gemeinde Bad Grund gelang es in Anbetracht der Reichswichtigkeit des Vorhabens
nicht, sich mit ihren Sorgen über den Standort und die mögliche
Beeinträchtigung des Fremdenverkehrs durchzusetzen. Auch weiterhin
wurden Bau und Betrieb der Siedlung durch Querelen wegen der Erschließungskosten
gekennzeichnet.
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Häuser zu zwei Wohnungen sollten entstehen. In Hanglage konzipiert,
war der Keller ebenerdig und diente für Abstell- und Sanitärräume.
Für die damals noch übliche Selbstversorgerwirtschaft mit Kleinvieh
entstanden am Rande der Siedlung zwei Ziegenställe. Mit dem Bau wurde
Anfang 1939 begonnen, nachdem die Grundstücke für 1 RM je m²
von den Reichswerken Hermann Göring erworben wurden. Im Sommer 1940
war die Siedlung zu drei Viertel fertiggestellt. Während die Reichswerke
auf die Errichtung eines Lebensmittelladens zur wohnungsnahen Versorgung
drangen und mit Rücksicht auf den Einzelhandel die Gemeinde dies verhindern
konnte, wurde dem Wunsche der Bergstadt nach Errichtung einer Schule für
die zu erwartenden 150 Schüler seitens der Reichswerke wiederum nicht
entsprochen.
Heute
steht die Ibergsiedlung mit ihren massiven Sockelgeschossen und dem Fachwerkaufbau
unter Denkmalschutz. Die Bergstadt, deren städtebauliches Antlitz
sie prägt, wird die Siedlung und ihre Bewohner nicht missen wollen.
Mit dem Kalksteinabbau hat die Siedlung heute nur noch begrenzt zu tun.
Dieser wird, solange die Vorräte reichen, noch viele Jahre oder Jahrzehnte
betrieben werden können. Vom ursprünglichen Verwendungszweck
als Hüttenzuschlag hat sich die heutige vielgestaltige Produktpalette
der Felswerke weit entfernt.
Eines
Tages müssen sich Bergstadt und Land Niedersachsen aber entscheiden:
Trinkwasserversorgung, Umweltschutz, Fremdenverkehr und / oder Fortführung
des Kalksteinabbaus. Sollten die ersten drei Belange zurückgestellt
werden, dann reicht das Vorkommen an Iberg und Winterberg zusammen für
mehr als 200 Jahre.
Firouz
Vladi
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