Kleinbahn Gittelde - Grund

Vor 100 Jahren fuhr die „Kleine Minna“ zum ersten Mal
von Horst Sablotny (†), Ortschronist Windhausen
Unsere Fotos (Sablotny): zeigen die Lok, auch genannt „Kleine Minna“, auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke Gittelde- Bad Grund.
- Windhäuser Mädchen und Jungen auf der Lok, die zum Abwracken auf dem „Sandbahnhof“ in Windhauen stand. Sie sollen sogar versucht haben, sie mit einigen Säcken Kohle wieder zum Dampfen zu bringen. Die große Glocke aus Messing wurde aber „sichergestellt“.
Gittelde/Bad Grund/Windhausen. Am 1. Mai 2010 jährt sich zum 100. Mal ein denkwürdiger Tag. Zum ersten Mal fuhr ein Zug auf der rd. 4, 1 km langen Normalspur-Eisenbahn-Strecke von Gittelde über Windhausen nach Grund. Das Ereignis wurde damals gebührend gefeiert, ging doch damit ein großer Wunsch der Gittelder, Windhäuser und vor allen Dingen der Grundner Einwohner in Erfüllung. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz Seesen- Herzberg – es wurde am 1. September 1871 in Betrieb genommen - wurde geschafft und damit der Anschluss an die große, weite Welt. Welche Bedeutung die „Kleinbahn" im Verlaufe der Zeit erreichte, ist an einigen Zahlen zu erkennen. 1918 wurden zum Beispiel 100.291 Personen befördert, hinzu kamen 17.608 Tonnen Güter, vor allen Dingen Erz. 1929 waren es immer noch 12.883 Personen, die rund 29.000 Kilometer fuhren. Insgesamt, so die Aufzeichnungen, wurden 1,2 Mio. Personen befördert. Neben Höhen musste die Bahn auch Tiefen hinnehmen. Der 1. und 2. Weltkrieg machte der Bahn zu schaffen. Auch der Wandel in der Güterbeförderung und der wachsende Autoverkehr trug dazu bei, dass am 29. Mai 1965 die letzte Personenbeförderung stattfand und der letzte Erzzug am 30. Dezember 1971 stattfand. Die Folge: Im September 1972 wurde die Eisenbahnlinie Gittelde-Bad Grund demontiert. Der ehemalige Grundner Lokschuppen landete auf dem Museumsbahnhof Almstedt-Segete. 7.000 Holzschwellen landeten im Ofen, zehn Kilometer Eisenbahnschienen und 13 Weichen landeten im Schmelzofen. Nur Erinnerungen an die „Kleine Minna“, wie man liebevoll die kleinen Loks nannte, blieben.
Dort wo in Windhausen das Rathaus steht, befand sich früher der so genannte „Sandbahnhof““ und dort, wo heute der Fuß- und Radweg zwischen dem Gittelder Bahnhof und Bad Grund verläuft, befand sich früher die eingleisige Normalspur-Bahnlinie.
Und wie fing alles an? Bis in das Jahr 1870 reichen die Bemühungen zurück, nämlich von Gittelde nach Grund eine Eisenbahnlinie zu bauen. Die Erze aus dem Bergwerk Grund wurden damals mit Pferdekarren zum Bahnhof Gittelde geschafft um dort verladen zu werden. Die Personenbeförderung erfolgte mit Pferdekutschen. Die Finanzierung einer Eisenbahnlinie war schwierig. Sowohl die Braunschweiger“ als auch die „Preußen“ mussten daran beteiligt werden, da sich Gittelde und Windhausen im „Braunschweigischen“, Grund aber im „Preußischen“ befand. Die „Preußen“, so die Chronik, lehnten jahrzehntelang eine Beteiligung ab. Erst 1907 gab es eine Einigung. Am 2. 6. 1907 erfolgte die Gründung einer GmbH, an der der Staat Preußen, die Provinz Hannover, (der Landkreis Zellerfeld, Bad Grund gehörte dazu) und die Bergstadt Grund beteiligt waren. Die Genehmigung wurde 1908 erteilt. Da der Bahnbau zahlreiche auf braunschweigischem Gebiet liegende Grundstücke berührte, mussten Flächen abgetreten werden, so zu Beispiel in der oberen Harzstraße, dem Steinbühel und an der Mühlenwiese. Und auch die Haltestellen mussten so festgelegt werden, dass die Holzabfuhr möglich war. Eine Vielzahl von Auflagen mussten erfüllt werden. Im April 1909 wurden die Bauarbeiten ausgeschrieben. Die Brückenbauarbeiten wurden zum Beispiel dem Maurermeister Wilhelm Renneberg aus Windhausen übertragen.
Im Jahr 1909 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Der „große Tag“, nämlich die Einweihung, erfolgte am 1. Mai 1909. An diesem Tag jährt sich nun zum 100. Mal der Tag des Einweihungstages der ehemaligen Eisenbahnstrecke Gittelde-Bad Grund. Ob und wo dieses Ereignis evtl. gefeiert wird, steht noch nicht fest.
Siehe auch: An der Bahnstrecke im Ortsteil Laubhütte
HIER! - und Bahnhof Gittelde HIER!
Geschichte der Kleinbahn Gittelde – Bad Grund

Am 1. Mai 2000 wäre die am Westrand des Harzes gelegene Kleinbahn Gittelde – Bad Grund neunzig Jahre alt geworden, doch leider ist die nur 4,2 km lange Zweiglinie längst Geschichte. Kaum etwas ist von ihr übrig geblieben und nur wenige Anwohner, einige Harzfreunde oder Eisenbahnfans erinnern sich noch an sie. Zunächst bedurfte es einer Einigung zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover, über deren Gebiete die Strecke führen sollte. 3,3 km verliefen im Braunschweigischen und 850 m in Preußen. Die Kleinbahn brachte ihren Anwohnern den langersehnten Anschluß an die große weite Welt – und das in privater, wirtschaftlicher, beruflicher und touristischer Hinsicht. Der bescheidene Fahrzeugpark umfaßte anfangs eine, dann über zehn Jahre hinweg zwei Dampfloks, eine Diesellok (ab 1955), vier eigene Personenwagen sowie einige Omnibusse. Die einfach, aber betriebssicher gehaltenen Bahnanlagen wurden dem Erztransport der Grube Hilfe Gottes in Bad Grund vollauf gerecht. Entsprechend dem mäßigen Personen- und übrigen Güterverkehr hatte man auch die Gebäude sehr sparsam gehalten, aber gerade wegen des familiären Charakters war die Bevölkerung bis zuletzt eng mit „ihrer Bahn“ verbunden. Die beiden Weltkriege und der Niedergang des Harzer Bergbaues beeinträchtigten den Kleinbahnbetrieb maßgeblich. Allein das Aufblühen des Fremdenverkehrs in und um Bad Grund konnte den Rückgang trotz frühzeitiger Einführung von Buslinien nicht aufhalten. Der Straßenverkehr entzog der Bahn dermaßen viele Fahrgäste und Frachten, daß die Stillegung unaufhaltsam war. Nachdem 1965 der letzte Personenzug und 1971 auch der letzte Güterzug abgefahren war, konnte sich der Busverkehr noch bis 1974 halten.
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Kleinbahnen im Westharz, Klaus Lier, Klaus Schubert:
Geschichte der Kleinbahn Gittelde – Bad Grund und der St. Andreasberger Zahnradbahn. Nebenbahndokumentation Band 62, 96 S., gebunden, 3 Farb- und 153 SW-Fotos, 46 Zeichnungen, ISBN 3-933613-20-5
LOK 050 737 in Gittelde, 1976