An der Post
Am1. Mai 1855 trafen die ersten Badegäste in Bad Grund ein. Es waren Major von Brandenstein und Frau aus Hannover. Das zu damaliger Zeit moderne Badehaus, mit seinen vielen Badezellen, war eine Zierde für den jungen Kurort, der ebenfalls am 1. Mai 1855 in die Reihe der Kurorte eintrat.
Bereits ein Jahr später, 1856, musste die Badeanstalt erweitert werden. Die "Söchtingsche Kurbadeanstalt" war bis zum Jahre 1901 in Betrieb. (Siehe Kurbad ) Es entstand "Dr. Meyers Kurbadeanstalt", später benannt als "Kestnersche Badeanstalt" im Garten des heutigen Hauses Wiese. (Abriss im Februar 1943)

(P.H.)Am 14. März 1661 erhielt der Apotheker Johann Reichen aus Hameln von den Herzögen zu Braunschweig und Lüneburg das Privileg, in der Bergstadt Grund eine Bergapotheke zu errichten. Die Apotheke lieferte ihre Medikamente hauptsächlich den Badern und Barbieren. Medikamente waren damals so teuer, dass ein armer Bergmann sie sich selten kaufen konnte, daher unterschied man in jener Zeit stets zwischen Rezepten für Reiche und für Arme. Das heißt für die ärmere Bevölkerung wurden billigere Mittel verschrieben. Früher wurden in den Apotheken nicht nur Arzneien hergestellt und verkauft, sondern auch allerlei Esswaren. Die Apotheker stellten z. B. auch Kräuter- und Heilteemischungen, Pulver, Gewürze und Kraftbrühen für den Haushalt her. Das fürstliche Privileg der Bergapotheke zu Grund gab dem damaligen Apotheker außerdem das alleinige Recht, im Ort Branntwein und Aquavit zu verkaufen.

Ebenfalls am 1. Mai 1855 wurde die erste Kurbadeanstalt als Eigentum des Apothekers Helmkampff, neben der alten Apotheke (später Drogerie Rockendorf, siehe Foto darunter), ins Leben gerufen.

Die ehemalige Apotheke...
...bis in die 1980er mit der Drogerie Rockendorf
Die ehemalige Apotheke "an der Post" - 2005,
als "Fuchsbau" zum Sanatorium (heute Hotel) "Alter Römer" gehörig

230 Jahre zurückgeblickt: die Straße An der Post
Der Abbruch von „Römers Hotel Rathaus“ (Bild 1 - siehe auch HIER) veranlasste unseren Chronisten, einmal zu erforschen, wie es dort und in der Umgebung vor 200 Jahren ausgesehen hat, denn damals gab es noch kein Restaurant Römer.
Ich will die Häuser Just-Ahrend im Kelchtal bis hinunter zu Bäckermeister Blum in Augenschein nehmen. Was standen damals im Jahre 1763 dort für Häuser – und wer wohnte dort? Ich habe nach jahrelanger heimatkundlicher Arbeit das nötige Aktenmaterial, um diese Fragen genau beantworten zu können.
Die betreffenden Häuser trugen zu damaliger Zeit die Hausnummern 10 bis 21. Es waren samt und sonders kleine freistehende Fachwerkhäuser, die übliche Bauweise. Die noch erhaltenen Häuser zeigen uns deutlich das Straßenbild jener Zeit.
Im „Kellichsthal“ (siehe HIER) Nr. 10 (heute Just-Ahrend) wohnte zu damaliger Zeit Johann Christoph Spoer. Das kleine Fachwerkhaus, das er bewohnte, hatte einen Taxwert von 200 Talern. Daneben, im Haus Nr. 11 (heute Fromman), war die berühmte Mittelmühle (Bild 2) . Sie betrieb der Müllermeister Johann Georg Steltzner, der sie im Jahre 1743 gekauft hatte. Das Wohnhaus hatte einen Taxwert von 475 Talern und der dazugehörige Stall einen von 25 Talern. Neben der Mühle, marktwärts, befand sich der „Grabegarten“, oder auch „Grasgarten“ des Müllermeisters.
In dem Hause der Witwe Schlein, Haus Nr. 12, hatte der Stadtrichter Johann August Tuckermann (Richter in Bad Grund von 1750 bis 1770) seine Wohnung. Das Häuschen hatte einen Wert von 450 Talern. Als der äußerst tüchtige Richter im Jahre 1770 im blühenden Alter von 49 Jahren starb, kaufte der Apotheker Heinrich Simon Jahn das Gebäude. (Bild 3)Wem das jetzige Loebnersche Haus im Jahre 1763 gehörte, ein kleines Häuschen, Nr. 13, ist nicht mehr genau festzustellen. Jedenfalls kaufte es nach 1770 die Witwe des Stadtrichters Tuckermann, Frau Sophie Friederike Tuckermann.
Darauf folgte als Haus Nr. 14 die Apotheke (oben und Bild 4) , die der Apotheker Simon Jahn verwaltete, der gleichzeitig in der Bergstadt Ratsherr war. Das Wohnhaus hatte einen Wert von 500 Talern, und die Hintergebäude waren mit 100 Talern veranschlagt. Neben der Apotheke, Haus Nr. 15, wohnte die Witwe Catharina Friederike Meyer. Heute noch ist deutlich zu erkennen, dass hier früher noch ein Wohnhaus stand, das später „einverleibt“ wurde.

Bild 1 - Hotel Alter Römer 2005 Bild 2 - Restaurierte Mittelmühle 2005 Bild 3 - Wohnhaus 2007 Bild 4 - Wohnhaus 2002
Bild 5 - Haus Quisisana 2005 Bild 6 - links Mittelmühle 1987, rechts Bäckerei Blum 2005
In dem Haus Nr. 16 (heute Kempe/Rackow) wohnte ein Herr Conrad Gerhardt Tresselt, der das Wohnhaus im Jahre 1772 an den Bürger Johann Christoph Eichler verkaufte. Das Nachbargebäude (siehe HIER) (2. Flügel von „Römers Hotel“) war das städtische Rathaus. Es wurde unter Nr. 17 geführt. Taxiert war das öffentliche Gebäude mit 800 Talern, dazu Pferdestall mit 100 und der Kuhstall mit 100 Talern, insgesamt 1.000 Taler.
Das Haus Nr. 18 war die Faktorei (heute Pensionshaus „Quisisana“), (Bild 5) das „einzige Gebäude auf der anderen Straßenseite (siehe HIER) Nr. 19 (der 2. Flügel von „Römers Hotel“), gehörte Johann Heinrich Weydanta, bei dem als Hausgenosse (Mieter) Johann Christian Vollbrecht wohnte.
Der letzte Flügel von „Römers Hotel“, der nunmehr zum Abbruch gekommen ist, früher Haus Nr. 20, gehörte im Jahre 1763 dem Grundner Bürger Andreas Christoph Blötz, bei dem Heinrich Ludolf Weydantz zur Miete wohnte.
Zum Abschluß Haus Nr. 21 (heute Bäckermeister Blum (Bild 6 - siehe auch HIER), das damals von Bäckermeister Johann Jacob Nolte bewohnt war, Bäckermeister Nolte war derzeit Gemeindevorsteher der Bergstadt. Das Wohnhaus stand mit 400 Talern in der Taxe, die Hintergebäude mit 50 Talern und das Backhaus ebenfalls mit 50 Talern.
Hinter den Häusern floß der Mühlengraben für die Mittelmühle entlang, der von der Obermühle in der Zeche kam. Neben dem Backhaus von Bäckermeister Nolte (heute hinter dem Emmermannschen Hause) befand sich ein Mühlenteich.
Vor den genannten Häusern floß, über den Markt kommend, die offene Flut. Sie war mit hohen Papppeln und Weidenbäumen bestanden. Vor dem heute abgebrochenen Teil von „Römers Hotel“ führte eine Brücke über den Flutgraben (siehe HIER) , daneben war ein Abstellplatz für Ackerwagen. Vor der Mittelmühle floß der Mühlengraben in die Flut. Hier waren zwei Fußgängerstege, zum Kelchtal über den Mühlengraben und hinüber über die Flut.

Quelle: Der Oberharzer, 16. Februar 1974